Maiwipferl haben Saison – Ende April bis Anfang Juni
Geht man im Frühling aufmerksam durch einen heimischen Fichtenwald, entdeckt man an den Zweigspitzen plötzlich ein leuchtendes Grün. Die jungen Triebe der Nadelbäume sind weich, fast durchscheinend und überraschend mild im Geschmack – ein gelungener Mix aus Zitrusfrische und harzigem Waldaroma. Im Alpenraum haben diese zarten Spitzen auch einen Namen – Maiwipferl.

Ihre Saison dauert nur wenige Wochen, meist zwischen Ende April und Anfang Juni, je nach Höhenlage auch etwas später.
Gerade in Österreich, wo bekanntlich rund 48 Prozent der Staatsfläche bewaldet sind, gehört das Sammeln der jungen Triebe für viele Menschen seit Generationen zum Frühling dazu. Besonders dort, wo Fichtenwälder das Landschaftsbild prägen – etwa in der Steiermark, im Salzkammergut, im Mühlviertel, in Kärnten oder in Tirol –, gilt das Pflücken der Maiwipferl als alte Waldtradition.
Die kleinen Triebe sind jedoch weit mehr als eine kulinarische Kuriosität. Seit Jahrhunderten werden sie als Naturheilmittel, Küchenzutat und Zeichen des beginnenden Waldjahres geschätzt.
Ein Frühlingszeichen der österreichischen Wälder
Maiwipferl sind die jungen Triebspitzen von Nadelbäumen, vor allem von Fichte und Tanne, gelegentlich auch von Kiefer oder Lärche. Während dieser kurzen Wachstumsphase sind sie weich, hellgrün und etwa zwei bis fünf Zentimeter lang. Innerhalb weniger Wochen verhärten sie sich und entwickeln sich zu den bekannten Nadeln der Bäume.
Gerade in Österreich sind Maiwipferl besonders verbreitet, weil die Fichte rund die Hälfte der gesamten Waldfläche ausmacht. Damit gehört sie zu den dominierenden Baumarten des Landes und prägt ganze Landschaften, von den Voralpen bis zu den Hochlagen der Alpen.
In Regionen wie dem Salzkammergut, dem Bregenzerwald, dem Mühlviertel oder den Kärntner Nockbergen sind Fichtenwälder so charakteristisch, dass Maiwipferl im Frühling beinahe überall zu finden sind. Dennoch verlangt das Sammeln Erfahrung und Respekt vor dem Wald. Traditionell wird nur ein kleiner Teil der Triebe geerntet, damit der Baum in Ruhe weiterwachsen kann. Besonders wichtig ist es, den Mitteltrieb eines Zweiges stehen zu lassen, da er für die weitere Entwicklung des Baumes entscheidend ist.
Alte Tradition und Brauchtum
Die Nutzung der jungen Fichtentriebe hat im Alpenraum eine lange Geschichte. Schon im Mittelalter nutzten Menschen die Inhaltsstoffe für medizinische Zwecke. In abgelegenen Bergregionen, wo ärztliche Hilfe früher nur schwer erreichbar war, bildeten Pflanzen aus dem Wald eine wichtige Grundlage der Hausmedizin.
Maiwipferl spielten dabei eine zentrale Rolle. In vielen bäuerlichen Haushalten wurde jedes Jahr im Frühling ein Sirup angesetzt, der als bewährtes Mittel gegen Husten und Erkältungen galt. Und über Generationen hinweg zur Standardausstattung der Hausapotheke gehörte.
Vor allem in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark war es üblich, dass Kinder im Mai mit Körben in den Wald geschickt wurden, um die frischen Triebe zu sammeln. Das Sammeln selbst war oft ein kleines Ritual und markierte symbolisch das Ende des Winters und den Beginn der warmen Jahreszeit.
Auch Jäger und Förster kennen diesen Zeitpunkt sehr genau. Wenn die hellgrünen Spitzen erscheinen, verändert sich das Leben im Wald deutlich. Die Vegetation setzt kräftig ein, Rehe und anderes Schalenwild finden frisches Äsungsangebot und die Natur tritt in eine besonders produktive Phase des Jahres.
Heilpflanze aus dem Wald
Die besondere Wirkung der Maiwipferl beruht auf ihrer Zusammensetzung. Die jungen Triebe enthalten ätherische Öle, Harze, Bitterstoffe und einen hohen Anteil an Vitamin C. Diese Inhaltsstoffe wirken unter anderem schleimlösend, leicht antibakteriell und entzündungshemmend.
In der Volksmedizin wurden Maiwipferl deshalb vor allem bei Husten, Heiserkeit, Bronchitis und Erkältungen eingesetzt. Besonders verbreitet war der Maiwipferlsirup – der klassische Hustensaft aus den Alpen, der löffelweise eingenommen oder in Tee eingerührt wurde. Neben der inneren Anwendung spielte die Fichte auch bei äußeren Anwendungen eine Rolle. Fichtenharz wurde traditionell zur Behandlung kleiner Wunden oder bei Muskelbeschwerden verwendet. Solche Anwendungen sind Teil einer jahrhundertealten Naturheilkunde, die sich aus den Erfahrungen der Bergbevölkerung entwickelte.
Zubereitung Maiwipferlsirup:
- Die Maiwipferl vorsichtig waschen und gut trocknen.
- In ein großes Glas abwechselnd eine Schicht Wipferl und eine Schicht Zucker füllen. Mit Zucker abschließen.
- Das Glas verschließen und etwa drei Wochen an einen sonnigen Platz stellen. Während dieser Zeit bildet sich ein aromatischer Sirup. Anschließend die Flüssigkeit abseihen und in dunkle Flaschen füllen.
- Der Sirup eignet sich sowohl als Hausmittel bei Husten als auch zum Süßen von Tee oder Desserts.
Zutaten Maiwipferlsirup:
250 g frische Maiwipferl
500 g Rohrzucker
Der Geschmack des Waldes in der Küche
Während Maiwipferl früher vor allem als Heilpflanze genutzt wurden, entdecken heute auch Köche ihren besonderen Geschmack. Ihr Aroma ist einzigartig: frisch, leicht zitronig, harzig und intensiv nach Wald duftend.
In der modernen Küche werden Maiwipferl in ganz unterschiedlichen Formen verarbeitet. Besonders beliebt sind Sirupe, Honige oder Liköre, die das typische Waldaroma einfangen. Auch in Desserts, Marmeladen oder aromatisierten Getränken finden sie Verwendung. In der Wildküche passen Maiwipferl besonders gut zu Reh, Hirsch oder Wildschwein. Ihr harziges Aroma erinnert an Wald und Harz und ergänzt daher hervorragend den kräftigen Geschmack von Wildgerichten.
Zubereitung – Maiwipferltee:
- Die Triebe leicht zerdrücken und mit heißem Wasser übergießen. Etwa zehn Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen.
- Der Tee hat ein mildes, harziges Aroma und wird traditionell bei gereiztem Hals getrunken.
Zutaten Maiwipferltee:
eine Handvoll frische Maiwipferl
500 ml heißes Wasser
Zubereitung – Maiwipferl-Honig:
- Die Triebe in ein Glas geben und vollständig mit Honig bedecken. Das Glas verschließen und zwei bis drei Wochen ziehen lassen. Danach den Honig abseihen.
- Der aromatische Honig eignet sich hervorragend für Tee, Desserts oder Naturjoghurt. Auch ein Tipp: Als Glasur für einen herzhaften Rehrücken macht sich dieser Honig besonders gut.
Zutaten Maiwipferl-Honig:
200 g Maiwipferl
500 g Honig
Ein Beitrag von U. Macher | Jagdfakten.at Redaktion | Foto Credits: iStock, AdobeStock
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